
Vor dem Kauf oder der Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels sollten Sie klären, welchen Nährstoff Sie ergänzen möchten und ob Sie ihn tatsächlich zusätzlich brauchen. Nahrungsergänzungsmittel liefern festgelegte Mengen an Nährstoffen in konzentrierter Form. Sie können in bestimmten Situationen sinnvoll sein, ersetzen aber weder eine abwechslungsreiche Ernährung noch eine medizinische Behandlung.
Gesunde Menschen, die ausreichend mit Nährstoffen versorgt sind, brauchen normalerweise keine zusätzlichen Präparate. Hohe Dosen oder mehrere Präparate zugleich erhöhen das Risiko einer Überversorgung oder von Wechselwirkungen. Werbung allein zeigt nicht, ob ein Präparat zu Ihnen passt.
Lebensmittel statt Arzneimittel
Tabletten- und Kapselform macht ein Produkt nicht automatisch zum Arzneimittel. Entscheidend ist, wie das Produkt rechtlich eingestuft wird und wofür Anbieter es verkaufen und bewerben. Nahrungsergänzungsmittel sollen die Ernährung ergänzen. Sie dürfen nicht damit beworben werden, Krankheiten zu verhindern, zu behandeln oder zu heilen.
Vor dem Verkauf müssen Nahrungsergänzungsmittel beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt werden. Diese Anzeige ist keine behördliche Zulassung und bestätigt weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit des einzelnen Produkts. Hersteller und Vertreiber sind für die Einhaltung der lebensmittelrechtlichen Vorgaben verantwortlich; die Lebensmittelüberwachung liegt bei den zuständigen Behörden der Länder.
Gesundheitsversprechen auf Nahrungsergänzungsmitteln prüfen
Gesundheitsbezogene Aussagen auf Lebensmitteln unterliegen EU-Regeln. Ein zulässiger Hinweis nennt eine bestimmte Wirkung eines Nährstoffs. Er darf nur unter festgelegten Bedingungen verwendet werden. Der Hinweis sagt nicht, dass das ganze Produkt wirkt oder für alle geeignet ist.
Seien Sie vorsichtig, wenn ein Anbieter verspricht, ein Präparat könne Beschwerden heilen, chronische Krankheiten behandeln oder sicher vor Krankheiten schützen. Auch Formulierungen wie „mehr Energie“ belegen keinen Nährstoffmangel. Prüfen Sie, welcher Stoff in welcher Menge enthalten ist und worauf die konkrete Aussage beruht.
Wann Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind
Eine gezielte Ergänzung kann sinnvoll sein, wenn eine bestimmte Lebenssituation oder Ernährungsweise es erschwert, einen Nährstoff ausreichend aufzunehmen. Bei veganer Ernährung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine zuverlässige Vitamin-B12-Ergänzung, weil eine rein vegane Ernährung allein keine ausreichende Versorgung sicherstellt. Weitere Präparate sollten sich am tatsächlichen Bedarf orientieren.
Für Frauen mit Kinderwunsch empfiehlt die Fachgesellschaft Folsäure: 400 Mikrogramm täglich, beginnend mindestens vier Wochen vor der Empfängnis bis zum Ende der zwölften Schwangerschaftswoche. Beginnt die Einnahme später, nennt sie 800 Mikrogramm täglich bis zum Ende dieser Schwangerschaftswoche. Schwangere sollen außerdem zusätzlich zur ausgewogenen Ernährung mit jodiertem Speisesalz 100 bis 150 Mikrogramm Jod am Tag aufnehmen. Bei einer Schilddrüsenerkrankung ist vorher ärztlicher Rat nötig.
Vitamin D zeigt, warum Empfehlungen von der persönlichen Situation abhängen. Die DGE nennt eine Ergänzung von 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 internationalen Einheiten täglich, wenn der Körper nicht ausreichend Vitamin D bilden kann. Für Menschen, die ausreichend mit Vitamin D versorgt sind, ist ein zusätzlicher Nutzen durch Präparate in der Regel nicht belegt. Wer sich kaum im Freien aufhält, gehört zu den Gruppen, bei denen eine Ergänzung eher relevant sein kann.
Wer weniger als die empfohlene Menge aufnimmt, hat deshalb nicht automatisch einen medizinisch festgestellten Mangel. Auch unspezifische Beschwerden reichen nicht aus, um daraus den Bedarf an einem Präparat abzuleiten. Wenn Sie einen Mangel vermuten, lassen Sie die Ursache fachlich abklären, statt mehrere Produkte auf Verdacht einzunehmen.
Dosierung und Wechselwirkungen prüfen
Eine höhere Dosis ist nicht automatisch besser. Eine langfristig zu hohe Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen kann gesundheitliche Nachteile haben. Achten Sie deshalb auf die Menge pro empfohlener Tagesportion. Berücksichtigen Sie auch, wie viel desselben Nährstoffs Sie über andere Präparate und angereicherte Lebensmittel aufnehmen.
Für viele Vitamine und Mineralstoffe gibt es laut Bundesinstitut für Risikobewertung keine gesetzlich verbindlichen Höchstmengen in Deutschland oder auf EU-Ebene. Das Institut veröffentlicht wissenschaftliche Höchstmengenvorschläge als Orientierung. Sie sind keine gesetzlichen Grenzwerte. Fehlt eine solche Grenze, bedeutet das nicht, dass jede Dosierung sicher ist.
Nahrungsergänzungsmittel können außerdem die Wirkung von Arzneimitteln verstärken oder abschwächen. Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, eine Erkrankung haben oder ein Präparat länger verwenden möchten, besprechen Sie die Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Das gilt besonders, wenn mehrere Wirkstoffe zusammenkommen.
Etikett und Anbieter beurteilen
Lesen Sie die Angaben zur Tagesportion und nicht nur den Produktnamen oder die Prozentzahl auf der Verpackung. Die vorgeschriebene Tagesmenge und der Hinweis, sie nicht zu überschreiten, helfen bei der Verwendung. Auch der vorgeschriebene Hinweis, dass Nahrungsergänzungsmittel keine abwechslungsreiche Ernährung ersetzen, informiert über die Verwendung. Er belegt nicht, dass Sie persönlich ein Präparat brauchen.
Diese Fragen helfen Ihnen bei der Kaufentscheidung:
- Welchen konkreten Nährstoff möchten Sie ergänzen? Gibt es dafür einen passenden Anlass?
- Wie viel davon enthält die empfohlene Tagesportion?
- Nehmen Sie denselben Nährstoff bereits über andere Präparate oder angereicherte Lebensmittel auf?
- Verspricht die Werbung eine Behandlung, Heilung oder sichere Vorbeugung gegen Krankheiten?
- Sind der Anbieter und das Land, für das das Produkt bestimmt ist, klar erkennbar?
Bei Bestellungen aus dem Ausland sollten Sie nicht automatisch davon ausgehen, dass Produkt und Kennzeichnung den deutschen und europäischen Vorgaben entsprechen. Auch Pflanzenextrakte und andere Stoffe lassen sich nicht alle gleich bewerten. Die rechtlichen Regeln unterscheiden sich je nach Stoff und Produkt.
Quellen
- § 1 NemV - Einzelnorm
- Fragen und Antworten zu Nahrungsergänzungsmitteln - BfR
- Directive - 2002/46 - EN - EUR-Lex
- Regulation - 1924/2006 - EN - EUR-Lex
- FAQ Nahrungsergänzungsmittel | DGE
- FAQ zur veganen Ernährung | DGE
- Nutzen und Risiken von Mikronährstoffsupplementen im Alter - BfR
- Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln - BfR
