Prüfen Sie den Pflanzenteil, die Menge pro Portion und die Anwendungshinweise. Bei quellfähigen Produkten ist die angegebene Trinkmenge wichtig. Rechtliche Einstufung und Gesundheitsversprechen helfen, die Packung einzuordnen.
Ganze Samen oder Samenschalen?
Auf der Packung sollte stehen, welcher Pflanzenteil enthalten ist. Ganze Flohsamen stammen häufig von Plantago ovata. Flohsamenschalen sind die äußere Hülle dieser Samen. Die Schalen enthalten Schleimstoffe, die mit Wasser quellen und eine gelartige Masse bilden.
Die Begriffe „Flohsamen“, „Flohsamenschalen“ und „Psyllium“ reichen für einen genauen Vergleich nicht immer aus. Prüfen Sie die Zutatenliste auf die Pflanzenart und den Pflanzenteil. Gleiche Grammangaben sind nicht automatisch vergleichbar: Entscheidend ist, ob das Produkt ganze Samen, Schalen oder eine Mischung enthält und wie viel davon eine Portion liefert.
Bei Mischungen zählt auch, welche weiteren Ballaststoffe oder Zutaten enthalten sind. Die Studien zu Flohsamenschalen lassen sich nicht ohne Weiteres auf ganze Samen oder beliebige Mischungen übertragen.
Lebensmittel oder Arzneimittel?
Flohsamen werden sowohl als Nahrungsergänzungsmittel als auch als Arzneimittel angeboten. Ob ein Produkt ein Lebensmittel oder ein Arzneimittel ist, hängt nicht von seiner Form ab: Kapseln und Pulver gibt es in beiden Gruppen. Der Verkaufsort, etwa eine Apotheke oder Drogerie, sagt ebenfalls nichts über die Produktgruppe aus.
Ein Nahrungsergänzungsmittel ist rechtlich ein Lebensmittel. Es muss vor dem ersten Verkauf beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt werden. Die Anzeige ist keine behördliche Zulassung. Sie bestätigt weder, dass das Produkt verkauft werden darf, noch dass es wirkt. Für Arzneimittel gelten eigene Vorschriften. Bei zugelassenen Arzneimitteln werden unter anderem Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit geprüft.
Sehen Sie auf der Packung nach, ob sie das Produkt als Arzneimittel oder als Lebensmittel beziehungsweise Nahrungsergänzungsmittel kennzeichnet. Bei einem Arzneimittel gelten die Gebrauchsinformation und die dafür zugelassene Anwendung. Die Verzehrempfehlung eines Nahrungsergänzungsmittels ist keine ärztlich geprüfte Behandlungsempfehlung.
Was Studien zu Flohsamenschalen zeigen
Für Flohsamenschalen gibt es Hinweise auf einen Nutzen bei Verstopfung. Die Europäische Arzneimittel-Agentur beschreibt Anwendungen bei gewohnheitsmäßiger Verstopfung und bei Situationen, in denen ein weicherer Stuhl erwünscht ist. Sie nennt außerdem den Einsatz als zusätzliche Ballaststoffzufuhr bei Verstopfung im Zusammenhang mit Reizdarm sowie als Ergänzung einer Diät bei erhöhtem Cholesterin. Diese Einordnung bezieht sich auf pflanzliche Arzneimittel mit Flohsamenschalen und bestätigt nicht pauschal jedes Lebensmittel oder Handelsprodukt.
Eine Metaanalyse, also eine gemeinsame Auswertung mehrerer Studien, untersuchte 2022 16 randomisierte Studien mit Erwachsenen mit chronischer Verstopfung. Die Teilnehmenden wurden nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Gruppen zugeteilt. In den Studien mit verfügbaren Angaben besserten sich die Beschwerden bei 66 Prozent der Teilnehmenden, die Ballaststoffe erhielten, gegenüber 41 Prozent in den Kontrollgruppen. In der Untergruppe mit Psyllium lag die relative Wahrscheinlichkeit einer Besserung höher; diese Auswertung beruhte allerdings auf nur drei Studien. Die Ergebnisse sprechen für einen möglichen Nutzen, erlauben aber keine zuverlässige Vorhersage, wie ein bestimmtes Produkt bei einer einzelnen Person wirkt.
Auch Behandlungsempfehlungen bewerten die Daten vorsichtig. Eine gemeinsame Leitlinie US-amerikanischer Fachgesellschaften für Magen-Darm-Erkrankungen spricht sich mit Einschränkung für Ballaststoffpräparate bei chronischer Verstopfung aus. Die Leitlinie bewertet die Belege als schwach. Andere Übersichten stufen die Evidenz für Psyllium als moderat und beschreiben den Nutzen als eher bescheiden. Unterschiede entstehen unter anderem dadurch, welche Studien und Vergleichsbehandlungen ausgewertet werden.
Dosierungen und Behandlungszeiten aus Studien gelten nicht automatisch für jedes Produkt. Die Metaanalyse fand bei bestimmten gemessenen Ergebnissen stärkere Effekte in Studien, in denen die Teilnehmenden mehr als 10 Gramm Ballaststoffe pro Tag einnahmen und mindestens vier Wochen behandelt wurden. Daraus lässt sich keine pauschale Dosierung für jedes Produkt ableiten. Halten Sie sich bei Arzneimitteln an die Gebrauchsinformation; bei Lebensmitteln beachten Sie die Angaben auf der Packung.
Flüssigkeit und Warnhinweise beachten
Flohsamenschalen binden Wasser und quellen auf. Deshalb müssen sie mit der auf der konkreten Packung angegebenen Flüssigkeitsmenge eingenommen werden. Die EMA nennt in ihrer Monographie als Beispiel 30 Milliliter Wasser je Gramm Pflanzensubstanz. Bei zu wenig Flüssigkeit können die Flohsamenschalen im Rachen oder in der Speiseröhre stecken bleiben und dort den Durchgang blockieren. Auch ein Darmverschluss ist als mögliches Risiko beschrieben. Übertragen Sie Flüssigkeitsangaben nicht von einem Produkt auf ein anderes.
Bei Schluckbeschwerden oder einem möglichen beziehungsweise bestehenden Darmverschluss ist besondere Vorsicht nötig. Lassen Sie Bauchschmerzen medizinisch abklären, wenn Übelkeit oder Erbrechen hinzukommen oder der Stuhlgang ausbleibt. Beenden Sie die Einnahme und holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn während der Anwendung Bauchschmerzen oder auffällige Veränderungen des Stuhlgangs auftreten. Blähungen gehören ebenfalls zu den möglichen Nebenwirkungen.
Flohsamenschalen können beeinflussen, wie der Körper andere Arzneimittel aufnimmt. Für die in ihrer Monographie beschriebenen Arzneimittel empfiehlt die EMA, mindestens 30 bis 60 Minuten Abstand zu anderen Medikamenten einzuhalten. Bei Mitteln, die die Darmbewegung hemmen, etwa Opioiden, ist eine Anwendung laut EMA nur unter ärztlicher Aufsicht vorgesehen. Die Packungsbeilage des konkreten Arzneimittels hat Vorrang. Nehmen Sie Flohsamenschalen außerdem nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen ein, wenn die Gebrauchsinformation davor warnt.
Packungen gezielt vergleichen
Für einen Vergleich legen Sie die Angaben der Produkte nebeneinander. Achten Sie besonders auf:
- Einstufung: Arzneimittel, Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel?
- Inhalt: Welche Pflanzenart und welcher Pflanzenteil sind genannt?
- Menge: Wie viel Flohsamen oder Flohsamenschale enthält eine Portion? Welche weiteren Ballaststoffe sind beigemischt?
- Anwendung: Welche Flüssigkeitsmenge, Einnahmehäufigkeit und Abstände zu Arzneimitteln nennt die Packung?
- Aussagen und Warnhinweise: Welche Wirkung verspricht die Produktaufmachung, und für wen gilt laut Packung eine Einschränkung?
Gesundheitsbezogene Aussagen für Lebensmittel unterliegen EU-Regeln. Prüfen Sie solche Versprechen im Zusammenhang mit dem konkreten Produkt. Krankheitsbezogene Aussagen sind für Nahrungsergänzungsmittel nicht einfach zulässig. Ob das Produkt als Arzneimittel zugelassen ist und ob seine Wirkung nachgewiesen wurde, lässt sich aus dem Werbesatz auf der Verpackung nicht ableiten.
