Nahrungsergänzung auf einer hellen Arbeitsfläche

Bevor Sie ein Nahrungsergänzungsmittel nehmen, klären Sie, welchen Nährstoff Sie ergänzen möchten und warum. Nahrungsergänzungsmittel ergänzen die Ernährung. Sie sind Lebensmittel, keine Arzneimittel zur Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten. Wer sich ausgewogen ernährt und ausreichend Nährstoffe aufnimmt, braucht sie meist nicht regelmäßig.

Für bestimmte Situationen gibt es konkrete Empfehlungen, etwa Vitamin B₁₂ bei veganer Ernährung oder Folsäure bei Kinderwunsch. Entscheidend sind Ihr Bedarf, die Menge pro Tagesdosis und mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten oder bestehenden Erkrankungen.

Bedarf für Nahrungsergänzungsmittel klären

Klären Sie zuerst, ob ein Bedarf besteht. Fragen Sie sich, ob eine besondere Ernährungsweise oder Lebensphase eine Ergänzung nahelegt oder ob ein Mangel ärztlich festgestellt wurde. Beschwerden wie Müdigkeit zeigen für sich allein keinen Nährstoffmangel. Lassen Sie anhaltende Beschwerden ärztlich abklären, statt auf Verdacht ein hoch dosiertes Präparat einzunehmen.

Eine vegane Ernährung erfordert besondere Aufmerksamkeit bei Vitamin B₁₂. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, Vitamin B₁₂ zuverlässig einzunehmen. Bei veganer Ernährung sollten Sie auch prüfen, ob Sie genug Jod aufnehmen. Das bedeutet nicht, dass ein beliebiges Multivitaminpräparat automatisch passt: Weitere Nährstoffe sollten bedarfsgerecht beurteilt werden.

Bei Kinderwunsch gilt eine eigene Empfehlung: Die DGE rät zu täglich 400 Mikrogramm Folsäure zusätzlich zur ausgewogenen Ernährung, ab Kinderwunsch bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche. Beginnt die Einnahme weniger als vier Wochen vor der Empfängnis, nennt sie 800 Mikrogramm täglich bis zum Ende dieser Schwangerschaftswoche. Diese Dosierungen beziehen sich auf Kinderwunsch und Schwangerschaft, nicht auf die allgemeine Bevölkerung.

Medikamente, Erkrankungen und Schwangerschaft berücksichtigen

Besprechen Sie Nahrungsergänzungsmittel mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer geeigneten Fachkraft, wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, eine Erkrankung haben oder schwanger sind. Inhaltsstoffe können mit Arzneimitteln wechselwirken oder Laborwerte beeinflussen. Auch vor einer Laboruntersuchung sollten Sie angeben, welche Präparate Sie einnehmen.

Eine Ärztin oder ein Arzt kann Ihnen außerdem helfen, unnötige oder ungeeignete Präparate zu vermeiden. Das gilt besonders, wenn Sie einen Mangel vermuten oder mehrere Präparate kombinieren möchten. Die passende Auswahl hängt vom konkreten Nährstoff und Ihrer Situation ab.

Tagesdosis und Etikett prüfen

Vergleichen Sie, wie viel von einem Nährstoff in der empfohlenen Tagesdosis enthalten ist. Achten Sie nicht nur auf den Produktnamen oder die Anzahl der Kapseln. Prüfen Sie auch, ob derselbe Stoff bereits in einem weiteren Präparat oder in angereicherten Lebensmitteln steckt. So sehen Sie, wie viel Sie insgesamt aufnehmen.

Bei Vitaminen und Mineralstoffen nennt die Verpackung außerdem den Anteil am EU-Referenzwert für Erwachsene. Dieser Wert erleichtert den Vergleich von Produkten, weist aber keinen persönlichen Bedarf nach und ist keine individuelle Einnahmeempfehlung. Eine Angabe von mehr als 100 Prozent ist nicht automatisch gefährlich; sie ist für viele Menschen jedoch unnötig, wenn kein konkreter Bedarf besteht. Wenn Sie über längere Zeit zu viel von einem Nährstoff aufnehmen, kann das unerwünschte Wirkungen haben.

Lesen Sie auch Warnhinweise, Altersbeschränkungen und Angaben zu Allergenen. Halten Sie sich an die empfohlene Tagesdosis und nehmen Sie nicht eigenständig mehrere hoch dosierte Präparate zusammen. Auch angereicherte Lebensmittel tragen zur Gesamtzufuhr bei.

Werbung und Siegel einordnen

Ein gesundheitsbezogener Hinweis auf der Verpackung belegt nicht, dass Sie das Produkt benötigen. Solche Aussagen müssen gesetzliche Bedingungen erfüllen und beziehen sich auf bestimmte Nährstoffe oder Funktionen. Sie versprechen keine Behandlung einer Krankheit. Krankheitsbezogene Heilversprechen sind für Nahrungsergänzungsmittel als Lebensmittel grundsätzlich unzulässig.

Seien Sie besonders vorsichtig bei Produkten, die schnelle Erfolge oder eine Wirkung gegen Krankheiten versprechen. Pflanzliche Zutaten sind nicht automatisch harmlos oder wirksam. Ein Qualitäts- oder Prüfsiegel kann bestimmte geprüfte Merkmale bestätigen, sagt aber allein nichts darüber aus, ob das Produkt für Sie sinnvoll ist oder eine beworbene Wirkung erzielt.

Verkaufsangaben richtig bewerten

In Deutschland müssen Hersteller Nahrungsergänzungsmittel beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anzeigen. Diese Anzeige ist keine behördliche Zulassung und bestätigt nicht, dass das Produkt vor dem Verkauf auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft wurde. Für die Sicherheit ist der Hersteller verantwortlich.

Bei einem Onlinekauf sollten Sie die vollständige Liste der Inhaltsstoffe, die Tagesdosis und die Angaben zum Anbieter prüfen können. Ein Verkauf über eine bekannte Plattform oder eine Empfehlung durch Influencerinnen und Influencer ist kein Qualitätsnachweis. Kaufen Sie nicht, wenn wichtige Angaben fehlen oder die Werbung vor allem mit großen Gesundheitsversprechen arbeitet.

Nahrungsergänzungsmittel vor dem Kauf prüfen

Bevor Sie sich entscheiden, beantworten Sie diese Fragen:

  • Welchen Nährstoff möchte ich ergänzen, und worauf stützt sich dieser Bedarf?
  • Welche Menge des Nährstoffs enthält die empfohlene Tagesdosis?
  • Nehme ich denselben Stoff bereits über andere Präparate oder angereicherte Lebensmittel auf?
  • Muss ich wegen Medikamenten, einer Erkrankung oder einer Schwangerschaft fachlichen Rat einholen?

Wenn Sie keinen konkreten Grund für die Einnahme haben, nehmen Sie Präparate nicht auf Verdacht ein; lassen Sie Beschwerden oder einen vermuteten Mangel lieber abklären.

Quellen