Für gesunde Erwachsene mit ausgewogener Ernährung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung keine regelmäßige Einnahme. Multivitamine bieten keinen nachgewiesenen allgemeinen Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder vorzeitigem Tod. In bestimmten Lebenssituationen oder bei einem festgestellten Mangel kann eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein.
Wann eine Ergänzung sinnvoll ist
Die passende Ergänzung hängt von Ihrer Ernährung und Lebenssituation ab. Bei veganer Ernährung empfiehlt die DGE Vitamin B₁₂ als Nahrungsergänzungsmittel. In der Schwangerschaft sind Folsäure und Jod wichtig; bei einer Schilddrüsenerkrankung sollte die Einnahme von Jod vorher ärztlich besprochen werden. Bei Kinderwunsch empfiehlt die DGE Folsäure bereits vor der Empfängnis. Vitamin D kommt infrage, wenn Ihr Körper nicht genug davon bildet.
Empfehlungen zu einzelnen Nährstoffen und Situationen begründen nicht automatisch die Wahl eines breit zusammengesetzten Präparats. Bei chronischen Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder Verdacht auf einen Mangel lassen Sie den Bedarf ärztlich abklären, statt auf Verdacht mehrere Präparate einzunehmen.
Was Studien zu Multivitaminen zeigen
Eine systematische Auswertung im Auftrag der US-amerikanischen Präventionsbehörde USPSTF fasste 84 Studien zu gesunden Erwachsenen ohne bekannten Vitamin- oder Mineralstoffmangel zusammen. Für Multivitamine zeigte sich kein statistisch gesicherter Rückgang der Sterblichkeit jeglicher Ursache und kein belegter Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Bei der Krebsinzidenz, also der Zahl neu auftretender Krebsfälle, ergab die gemeinsame Auswertung einen möglichen kleinen Rückgang. Die großen Einzelstudien zeigten jedoch kein durchgehend klares Ergebnis. Das belegt keinen verlässlichen Schutz vor Krebs. Eine spätere Auswertung von drei US-amerikanischen Beobachtungsstudien fand ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen täglicher Einnahme und geringerer Sterblichkeit. Beobachtungsstudien können Ursache und Wirkung allerdings weniger sicher klären als kontrollierte Studien.
Teilstudien eines US-amerikanischen Versuchs zeigten bei älteren Erwachsenen kleine Vorteile bei bestimmten Gedächtnis- und Denkleistungen. Die Forschenden untersuchten ein bestimmtes Präparat über zwei bis drei Jahre. Daraus lässt sich weder ableiten, dass alle Multivitamine dieselbe Wirkung haben, noch dass sie Demenz verhindern.
Diese Ergebnisse gelten nicht automatisch für Menschen mit einem diagnostizierten Mangel, Kinder oder Schwangere. Außerdem unterscheiden sich die untersuchten Präparate in ihrer Zusammensetzung. Ein Studienergebnis zu einer bestimmten Rezeptur lässt sich deshalb nicht auf jedes Produkt übertragen.
Multivitamin-Etikett prüfen
Vergleichen Sie die Mengen der enthaltenen Nährstoffe und orientieren Sie sich nicht an der Zahl der Zutaten oder allgemeinen Gesundheitsversprechen. Prüfen Sie außerdem, ob Sie dieselben Stoffe bereits über andere Präparate oder angereicherte Lebensmittel aufnehmen.
Achten Sie beim Kauf besonders auf:
- Mengen pro Tagesportion: Prüfen Sie die Menge jedes Vitamins und Mineralstoffs pro Tagesportion.
- Doppelte Aufnahme: Rechnen Sie andere Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel mit ein.
- Passung zu Ihrem Bedarf: Wählen Sie gezielt nach Ihrer Ernährung oder einer fachlichen Empfehlung, nicht allein nach einer möglichst langen Zutatenliste.
- Besondere Inhaltsstoffe: Seien Sie bei hohen Dosierungen und bei Beta-Carotin vorsichtig, besonders wenn Sie rauchen.
„Mehr“ bedeutet nicht automatisch „besser“. Werden mehrere Präparate kombiniert, kann die Gesamtaufnahme einzelner Nährstoffe zu hoch werden. Beta-Carotin-Präparate sollen gesunde Erwachsene nicht zur Vorbeugung von Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen einnehmen. In Studien war Beta-Carotin mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko verbunden; das ist besonders für Menschen mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko relevant. Dieser Hinweis bezieht sich auf Supplemente, nicht pauschal auf beta-carotinhaltige Lebensmittel.
Auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich. Besprechen Sie die Einnahme vorab mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Apothekerin, wenn Sie Medikamente nehmen oder eine chronische Erkrankung haben. Das gilt besonders, wenn ein Präparat Vitamine enthält, die sich in Fett lösen, wie A, D, E oder K, sowie Eisen oder Selen.
Multivitamine sind Nahrungsergänzungsmittel
Multivitaminpräparate sind in Deutschland Nahrungsergänzungsmittel und damit Lebensmittel, keine Arzneimittel zur Behandlung von Krankheiten. Hersteller müssen sie vor dem ersten Verkauf beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit melden. Die Meldung bedeutet nicht, dass eine Behörde das Produkt zugelassen oder seine Wirkung und Sicherheit bestätigt hat; für Sicherheit und korrekte Kennzeichnung ist der Hersteller verantwortlich.
Auch Höchstmengenvorschläge des Bundesinstituts für Risikobewertung sind Orientierungshilfen, keine gesetzlichen Grenzwerte. Prüfen Sie deshalb die tatsächliche Zusammensetzung und Dosierung, statt eine Anzeige oder ein Siegel als Wirksamkeitsnachweis zu verstehen.





